Rund 200 Mal am Tag führt jemand mit einer Schachtel pro Tag die Hand zum Mund. Diese Bewegung fällt nach dem Rauchstopp ersatzlos weg, und die meisten füllen die Lücke mit dem, was gerade da ist. Kaugummi, Zahnstocher, Kugelschreiber, Nüsse. Diese Liste sortiert die üblichen Behelfe, mit dem, was an ihnen nicht passt.
Kurz gesagt
- Deximed rechnet mit rund 200 Hand-zu-Mund-Bewegungen pro Tag, 73'000 im Jahr.
- Die offiziellen Empfehlungen laufen fast alle auf Kaugummi, Gemüse oder Nüsse hinaus.
- Zuckerfreie Kaugummis enthalten oft Sorbit, das in grösseren Mengen abführend wirkt.
- Rose und Kollegen zeigten 1993, dass Rauchende ihr Verhalten eher an der Sinnesempfindung ausrichten als an der Nikotinmenge.
- Przulj, McRobbie und Hajek fassten 2012 zusammen: sensomotorischer Ersatz allein ist voraussichtlich nicht nützlich.
Was die Fachstellen empfehlen
Die Empfehlungen der offiziellen Stellen sind bemerkenswert einheitlich und bemerkenswert kurz.
stopsmoking.ch nennt Karottenstängel, Cherrytomaten, eine Wasserflasche und zuckerfreie Kaugummis. Das deutsche Rauchfrei-Portal empfiehlt, gesunde Ersatzmittel bereitzuhalten, die man sich zwischen die Lippen stecken kann.
Das ist nicht falsch. Es ist nur auffällig knapp für ein Bedürfnis, das 200 Mal am Tag auftritt.
Der Rest dieses Artikels füllt die Lücke, so gut es die Belege zulassen.
Woher die Zahl 200 kommt, steht in einem eigenen Artikel.
Kaugummi
Der häufigste Behelf, und der mit der besten Verfügbarkeit.
Kaugummi deckt den oralen Teil ab. Die Bewegung der Hand deckt er nicht ab, denn nach dem Reinstecken ist die Hand wieder frei.
Zuckerfreie Sorten enthalten meist Zuckeralkohole wie Sorbit. Die Gastrointestinal Society weist darauf hin, dass Sorbit im Dünndarm schlecht aufgenommen wird und abführend wirken kann. Beschwerden können nach dieser Darstellung ab etwa fünf Gramm pro Tag beginnen, während die Branchenangabe bei rund 40 Gramm liegt.
Wer nach dem Rauchstopp ohnehin mit Verstopfung kämpft, kann das als Vorteil erleben. Wer den Kaugummi den ganzen Tag im Mund hat, eher nicht.
Nicht zu verwechseln mit dem Nikotinkaugummi aus der Apotheke. Der ist ein Arzneimittel mit belegter Wirkung und wird anders angewendet.

Zahnstocher, Strohhalm, Kugelschreiber
Diese drei tauchen in jeder informellen Sammlung auf, in keiner offiziellen Empfehlung.
Der Zahnstocher trifft die Geste am genauesten. Er ist dünn, er wird zwischen die Lippen genommen, er beschäftigt die Hand. Als Dauerlösung wird er in keiner der geprüften Fachquellen empfohlen, und ein spitzes Holzstück über Stunden im Mund ist erkennbar nicht dafür gedacht.
Der Strohhalm kommt der Bewegung nahe und wirkt in Gesellschaft seltsam. Genau das ist sein Problem.
Der Kugelschreiber beschäftigt die Hand gut und den Mund gar nicht. Er hat den grössten Verbreitungsgrad und die geringste Passung.
Gemüse und Nüsse
Der Standardrat, und der mit dem eingebauten Nebeneffekt.
Karotten und Cherrytomaten funktionieren für den Mund. Sie sind aber Essen, und Essen ist genau die Ersatzhandlung, die nach dem Rauchstopp ohnehin zunimmt.
stopsmoking.ch nennt eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 3,14 kg. Die Schweizerische Herzstiftung rechnet mit rund 200 Kalorien pro Packung geringerem Verbrauch nach dem Rauchstopp.
Nüsse sind in dieser Hinsicht der ungünstigste Vertreter der Liste.
Warum das Naheliegende nur halb passt
Der gemeinsame Nenner aller Behelfe: Sie decken einen Teil der Handlung ab, nie die ganze.
Jed Rose und seine Koautoren zeigten 1993 mit zwölf rauchenden Männern etwas Überraschendes. Die Teilnehmenden richteten ihr Zugverhalten eher an der Sinnesempfindung im Rachen aus als an der Nikotinmenge.
Rose beschrieb 2007 in Addiction Versuche mit denikotinisierten Zigaretten. Der Rauchvorgang ohne Nikotin linderte das Verlangen deutlich, teilweise stärker als Nikotin ohne die Handlung.
Die Handlung ist also nicht nur Beiwerk. Das erklärt, warum ein Kugelschreiber sich falsch anfühlt, obwohl er die Hand beschäftigt.
Was die Forschung zum Ersatz sagt
Hier steht der Satz, der in einem Verkaufstext nicht stünde.
Przulj, McRobbie und Hajek fassten 2012 im Open Addiction Journal zusammen, was zum sensomotorischen Ersatz bekannt ist. Ihr Fazit: Er kann eine Nikotinersatztherapie verstärken, allein ist er voraussichtlich nicht nützlich.
Das gilt für Kaugummi, Zahnstocher und Strohhalm genauso wie für jedes Gerät, das die Geste nachbildet.
Wer aufhören will, braucht deshalb einen Plan, nicht einen Gegenstand. 76,3 Prozent der Schweizer Ex-Täglichrauchenden haben es ohne jedes Hilfsmittel geschafft.
Wo KLAIR in dieser Liste steht
KLAIR ist ein mechanischer Inhalator ohne Tabak, ohne Nikotin und ohne Elektronik. Man führt ihn zum Mund, zieht daran und schmeckt ein Aroma.
Damit deckt er die Hand-zu-Mund-Bewegung, den Zug und den Geschmack ab, also mehr Teile der Handlung als ein Kaugummi. Wir behaupten nicht, dass KLAIR beim Aufhören hilft. Was zum sensomotorischen Ersatz bekannt ist, steht zwei Abschnitte weiter oben.
Er ist eine Option unter mehreren, und für manche Menschen ist er die falsche.
Was wir dazu nicht wissen
Zwei Einschränkungen gehören dazu.
Zu den Behelfslösungen gibt es keine Vergleichsstudien. Niemand hat Zahnstocher gegen Kaugummi gegen Strohhalm geprüft. Was hier steht, sind Ableitungen aus der Handlung, nicht Ergebnisse.
Die Untersuchungen von Rose sind klein und alt. Zwölf Männer im Versuch von 1993. Sie zeigen einen Mechanismus, sie belegen keinen Ausstiegsweg.
Das Wichtigste in Kürze
Die Hand geht rund 200 Mal am Tag zum Mund, und nach dem Rauchstopp fehlt diese Bewegung. Die üblichen Behelfe decken jeweils nur einen Teil davon ab: Kaugummi den Mund, der Kugelschreiber die Hand, der Zahnstocher beides und dafür mit Nebenwirkung.
Die Forschung zeigt, dass die Handlung selbst und die Sinnesempfindung eine Rolle spielen, nicht nur das Nikotin. Sie zeigt aber auch, dass sensomotorischer Ersatz allein voraussichtlich nicht zum Aufhören führt.
Nimm, was dich durch die drei bis fünf Minuten bringt. Erwarte von keinem dieser Gegenstände mehr als das.

Quellen
- Deximed, Deutsche Experteninformation Medizin: Rauchstopp. 200 Mal pro Tag, 1'400 pro Woche, 6'000 pro Monat, 73'000 pro Jahr. deximed.de (abgerufen am 20.08.2026)
- National Institute on Drug Abuse (NIDA): How does tobacco deliver its effects? Rund zehn Züge pro Zigarette. nida.nih.gov (abgerufen am 20.08.2026)
- stopsmoking.ch: Food Craving, Heisshunger beim Rauchstopp. Karottenstängel, Cherrytomaten, zuckerfreier Kaugummi, Gewichtszunahme 3,14 kg. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)
- Rauchfrei-Portal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: Tipps bei Verlangensattacken. «Halten Sie gesunde Ersatzmittel bereit, die Sie statt der Zigarette zwischen die Lippen stecken können.» rauchfrei-info.de (abgerufen am 20.08.2026)
- Gastrointestinal Society: Sugar-free Gum and Candies. Sorbit wird im Dünndarm schlecht aufgenommen und wirkt osmotisch. badgut.org (abgerufen am 20.08.2026)
- Rose, J. E., Behm, F. M., Levin, E. D. (1993): Role of nicotine dose and sensory cues in the regulation of smoke intake. Pharmacology Biochemistry and Behavior 44(4), 891 bis 900. Zwölf erwachsene rauchende Männer. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 20.08.2026)
- Rose, J. E. (2007): Denicotinized cigarettes, a new tool to combat cigarette addiction? Addiction 102(2).
- Przulj, D., McRobbie, H., Hajek, P. (2012): The Effect of Sensorimotor Replacement on Smoking Cessation and Craving. The Open Addiction Journal 5, 41 bis 50.
- AT Schweiz: Raucherentwöhnung, Daten und Zahlen. 76,3 Prozent der Ex-Täglichrauchenden ohne Hilfsmittel. at-schweiz.ch (abgerufen am 20.08.2026)
- Schweizerische Herzstiftung: Rauchstopp, so gelingt der nächste Versuch. Rund 200 Kalorien pro Packung, Nikotin als Appetithemmer. swissheart.ch (abgerufen am 20.08.2026)
- stopsmoking.ch: Craving, ein unwiderstehliches Verlangen. Dauer meist drei bis fünf Minuten. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)










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