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Die Kaffeepause: warum der Kaffee nach dem Rauchstopp anders wirkt

Die Kaffeepause: warum der Kaffee nach dem Rauchstopp anders wirkt

In einer Studie mit 162 Teilnehmenden lag der Koffeinspiegel drei Wochen nach dem Rauchstopp bei 203 Prozent des Ausgangswerts, bei unveränderter Kaffeemenge. Der Grund liegt nicht im Nikotin, sondern im Rauch. Wer danach unruhig ist und schlecht schläft, hält das oft für Entzug und trinkt in Wahrheit die doppelte Dosis.

Kurz gesagt

  • Swanson und Kolleginnen massen 1997 drei Wochen nach dem Rauchstopp 203 Prozent des Ausgangswerts an Koffein.
  • Verantwortlich ist der Tabakrauch, der den Abbau über das Enzym CYP1A2 beschleunigt, nicht das Nikotin.
  • Unruhe, Herzklopfen und Schlafstörungen können deshalb vom Kaffee kommen und nicht vom Entzug.
  • Der Kaffee muss nicht weg. Die Menge ist das Thema, nicht das Getränk.
  • In der Ipsos-Umfrage von 2005 nannten 40 Prozent ein Getränk als Auslöser, 11 Prozent ausdrücklich Kaffee.

Warum Kaffee und Zigarette zusammengewachsen sind

Die Verbindung ist so alt wie die Gewohnheit selbst, und sie hat drei Ursachen.

Die erste ist die Wiederholung. Wer über Jahre beides gleichzeitig macht, verknüpft beides. Carter und Tiffany zeigten 1999 in einer Zusammenfassung von 41 Studien, dass Reize zuverlässig Verlangen auslösen.

Die zweite ist die Pause. Kaffee ist in vielen Betrieben der einzige legitime Grund, kurz aufzuhören.

Die dritte ist der Ort. Kaffeemaschine, Balkon, Treppenhaus. Der Reiz ist oft der Raum und nicht das Getränk.

Was der Rauch mit dem Koffein macht

Hier kommt der Teil, den kaum ein Rauchstopp-Ratgeber erwähnt.

Tabakrauch beschleunigt den Abbau von Koffein in der Leber, weil er das Enzym CYP1A2 anregt. Rauchende bauen Koffein deutlich schneller ab als Nichtrauchende.

Das ist ein Effekt des Rauchs, nicht des Nikotins. Nikotinersatzprodukte ändern daran nichts.

Sobald der Rauch wegfällt, normalisiert sich der Abbau. Dieselbe Tasse wirkt dann deutlich stärker.

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Was die Studie dazu gemessen hat

Diese Zahl ist der eigentliche Informationsgewinn dieses Artikels.

Swanson und Kolleginnen begleiteten 1997 162 kaffeetrinkende Rauchende aus Rauchstopp-Programmen. Ein Teil der Gruppe trank Kaffee weiter, ein Teil verzichtete.

Bei denen, die aufhörten zu rauchen und weiter Kaffee tranken, stieg die Koffeinkonzentration über drei Wochen linear an. Nach drei Wochen lag sie bei 203 Prozent des Ausgangswerts.

Die Autorinnen und Autoren hielten fest, dass eine solche Verdoppelung ausreichen kann, um Symptome einer Koffeinüberdosierung auszulösen.

Warum das zum Rückfall beitragen kann

An dieser Stelle wird aus einer Laborzahl ein Alltagsproblem.

Zu viel Koffein macht unruhig, nervös und zittrig. Es stört den Schlaf und lässt das Herz schneller schlagen.

Genau diese Beschwerden stehen auch auf der Liste der Entzugserscheinungen. stopsmoking.ch nennt Reizbarkeit, Unruhe und Schlafstörungen ausdrücklich.

Wer sie dem Entzug zuschreibt, zieht den falschen Schluss. Und wer daraus schliesst, dass der Rauchstopp nicht auszuhalten ist, greift eher wieder zur Zigarette.

Welche Symptome tatsächlich zum Entzug gehören, steht im Entzugsartikel.

Muss der Kaffee weg

Nein. Und diese Antwort ist wichtiger, als sie klingt.

Wer gleichzeitig mit dem Rauchen und mit dem Kaffee aufhört, entzieht sich zwei Dinge auf einmal. Das erhöht die Belastung, ohne den Rauchstopp wahrscheinlicher zu machen.

Sinnvoller ist eine Anpassung der Menge in den ersten Wochen. Wer vorher vier Tassen trank, probiert es mit zwei bis drei.

Der zweite Hebel ist die Uhrzeit. Nach dem frühen Nachmittag lohnt sich der Verzicht, weil der Abbau jetzt länger dauert.

Wie du die Kaffeepause behältst

Vier Anpassungen, die den Reiz entkoppeln, ohne die Pause zu streichen.

  • Anderer Ort. Die Tasse am Tisch statt draussen an der gewohnten Stelle.
  • Anderes Gefäss. Andere Tasse, andere Grösse, notfalls anderes Getränk am Morgen.
  • Andere Reihenfolge. Erst der Weg nach draussen, dann der Kaffee. Nicht beides gleichzeitig.
  • Die Hände beschäftigen. Die freie Hand ist bei dieser Pause das eigentliche Problem.

Die Pause selbst bleibt. Sie war nie das Thema.

Wie du die Pause behältst und nur den Inhalt austauschst, steht in einem eigenen Artikel.

Was die Auslöser-Zahlen hergeben

Kurz eingeordnet, weil die Zahl oft ohne Kontext zitiert wird.

In einer Umfrage von Ipsos Reid aus dem Jahr 2005 mit 1'000 erwachsenen Kanadierinnen und Kanadiern nannten 41 Prozent die Zeit nach einer Mahlzeit als Auslöser. Ein Getränk nannten 40 Prozent, Kaffee ausdrücklich 11 Prozent.

Die Umfrage ist alt und stammt aus einem anderen Land. Wir führen sie trotzdem, weil es für die Schweiz keine vergleichbare Erhebung gibt.

Die Rangfolge ist brauchbar, die genauen Prozente sind es nur eingeschränkt.

Was wir dazu nicht wissen

Zwei Einschränkungen zu diesem Thema.

Die Studie von 1997 misst Gruppenwerte. Wie stark sich dein persönlicher Koffeinspiegel verändert, hängt unter anderem von genetischen Unterschieden beim Abbau ab.

Zur richtigen Menge gibt es keine Empfehlung, die wir aussprechen könnten. Was zu viel ist, merkst du am Schlaf und am Puls, nicht an einer Tabelle.

Wenn du unsicher bist, sprich es in der Apotheke oder in der Arztpraxis an. Das gilt besonders bei Herzbeschwerden oder wenn du Medikamente nimmst.

Das Wichtigste in Kürze

Tabakrauch beschleunigt den Abbau von Koffein. Fällt der Rauch weg, wirkt dieselbe Menge Kaffee deutlich stärker.

In einer Studie mit 162 Teilnehmenden lag der Koffeinspiegel nach drei Wochen bei 203 Prozent des Ausgangswerts. Unruhe und Schlafstörungen kommen deshalb manchmal aus der Tasse und nicht aus dem Entzug.

Der Kaffee darf bleiben. Reduziere die Menge in den ersten Wochen und entkopple die Pause vom gewohnten Ort.

Die Entzugssymptome, über die niemand spricht stehen in einem eigenen Artikel.

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Quellen

  1. Swanson, J. A., Lee, J. W., Hopp, J. W., Berk, L. S. (1997): The impact of caffeine use on tobacco cessation and withdrawal. Addictive Behaviors 22(1), 55 bis 68. 162 Teilnehmende, nach drei Wochen 203 Prozent des Ausgangswerts. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 20.08.2026)
  2. Swanson, J. A. et al. (1994): Caffeine and nicotine, a review of their joint use and possible interactive effects in tobacco withdrawal. Addictive Behaviors 19(3), 229 bis 256. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 20.08.2026)
  3. Pharmazeutische Zeitung: Zur Rolle von CYP1A2 beim Abbau von Koffein und zum Einfluss des Rauchens. pharmazeutische-zeitung.de (abgerufen am 20.08.2026)
  4. Ipsos Reid: Triggers to Smoking. Umfrage vom 27. bis 29. September 2005 unter 1'000 erwachsenen Kanadierinnen und Kanadiern. Nach einer Mahlzeit 41 Prozent, Getränk 40 Prozent, Kaffee 11 Prozent. ipsos.com (abgerufen am 20.08.2026)
  5. stopsmoking.ch: Die Entzugserscheinungen von Nikotin. Reizbarkeit, Unruhe, Schlafstörungen. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)
  6. stopsmoking.ch: Mit dem Entzug umgehen, Tipps und Beschäftigungsstrategien. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)
  7. Carter, B. L., Tiffany, S. T. (1999): Meta-analysis of cue-reactivity in addiction research. Addiction 94(3), 327 bis 340.
  8. Tiffany, S. T. (1990): A cognitive model of drug urges and drug-use behavior. Psychological Review 97(2), 147 bis 168.
  9. stopsmoking.ch: Die 3 Formen der Abhängigkeit. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)
  10. Deximed, Deutsche Experteninformation Medizin: Rauchstopp. deximed.de (abgerufen am 20.08.2026)
  11. stopsmoking.ch: Kostenlose Rauchstopp-Telefonberatung, 0848 000 181. stopsmoking.ch (abgerufen am 20.08.2026)
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